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MSF, Refugee camp, Greece, Moria, crisis

Griechenland

Die Zeitbombe ist hochgegangen

Das Flüchtlingslager Moria in Lesbos ist komplett abgebrannt und wurde evakuiert. Auch jetzt versuchen wir, den Menschen zu helfen. © MSF/Médecins Sans Frontières (MSF)
Aktuelles 
Das Flüchtlingslager Moria ist bis auf die Grundmauern niedergebrannt, nachdem letzte Nacht Feuer ausbrachen.

    „Alles stand in Flammen und wir konnten eine Massenflucht von Menschen beobachten, die ziel- und hilflos diese brennende Hölle zu verlassen versuchten. Kinder waren zutiefst verängstigt und Eltern im Schockzustand. Wir sind erleichtert, dass es offenbar keine Todesopfer gegeben hat und arbeiten nun daran, die bestmögliche Versorgung und Unterstützung bereitzustellen“, berichtet unser Einsatzleiter auf Lesbos, Marco Sandrone. 

    In der Nacht vom 8. September 2020 waren im Flüchtlingslager Moria mehrere Feuer ausgebrochen, wodurch das Camp bis auf die Grundmauern niederbrannte.

    Die Asche von Moria ist Zeugnis einer verfehlten Politik, die Verzweiflung und Elend bewusst schürt und zur Abschreckung missbraucht.
    Marie von Manteuffel, Expertin für Flüchtlingspolitik

    Die rund 12.000 Männer, Frauen und Kinder flohen in Richtung der Hauptstadt der Insel, Mytilini, wurden aber auf dem Weg gestoppt.

    Durch den Brand haben die Menschen ihre ohnehin wenigen Habseligkeiten verloren. Sie sind obdachlos auf der Straße oder suchen Schutz in den Bergen und mussten die Nacht im Freien verbringen. Im Lager kam es am 9. September erneut zu Bränden.

    Unsere Mitarbeiter*innen konnten gestern bereits einigen Menschen mit leichten Verletzungen und Verbrennungen helfen. Wir sind im Gespräch mit den Behörden, um weitere Hilfen zu klären.

    Die Arbeit in unserer Klinik am Rand des Camps mussten wir vorübergehend unterbrechen. Heute wurden unsere Teams durch Straßenblockaden daran gehindert, diese Einrichtung und diejenigen Menschen zu erreichen, die sich noch im zerstörten Camp aufhalten.

    Das ist inakzeptabel - wir benötigen dringend Zugang zu denjenigen, die unsere Hilfe benötigen.

    Wir fordern, die jetzt obdachlos gewordenen Menschen aus dem Camp sofort von Lesbos auf das Festland oder in andere europäische Länder in Sicherheit zu bringen: „Wenn es noch irgendeines Beweises bedurft hatte, dass die derzeitige europäische Abschottungspolitik nur zu Verzweiflung und Spannungen führt, dann ist er hiermit erbracht. Seit Monaten wurde ein Lockdown ausschließlich für die Flüchtlingscamps immer wieder verlängert und nun noch einmal verschärft, während es nach wie vor an einer echten, wirksamen Präventionsstrategie für die vielen dort festgehaltenen Menschen fehlt. Die Asche von Moria ist Zeugnis einer verfehlten Politik, die Verzweiflung und Elend bewusst schürt und zur Abschreckung missbraucht. Wir können nur hoffen, dass auf dieser Asche nicht von Neuem ein System der Abschreckung aufgebaut wird“, so unsere Expertin für Flüchtlingspolitik, Marie von Manteuffel.